Ricordo di Marie A.

ERINNERUNG AN DIE MARIE A.

1
An jenem Tag im blauen Mond September
Still unter einem jungen Pflaumenbaum
Da hielt ich sie, die stille bleiche Liebe
In meinem Arm wie einen holden Traum.
Und über uns im schönen Sommerhimmel
War eine Wolke, die ich lange sah
Sie war sehr weiß und ungeheur oben
Und als ich aufsah, war sie nimmer da.

2
Seit jenem Tag sind viele, viele Monde
Geschwommen still hinunter und vorbei.
Die Pflaumenbäume sind wohl abgehauen
Und fragst du mich, was mit der Liebe sei?
So sag ich dir: ich kann mich nicht erinnern
Und doch, gewiß, ich weiß schon, was du meinst.
Doch ihr Gesicht, das weiß ich wirklich nimmer
Ich weiß nur mehr: ich küßte es dereinst.

3
Und auch den Kuß, ich hätt ihn längst vergessen
Wemnn nicht die Wolke dagewesen wär
Die weiß ich noch und werd ich immer wissen
Sie war sehr weiß und kam von oben her.
Die Pflaumebäume blühn vielleicht noch immer
Und jene Frau hat jetzt vielleicht das siebte Kind
Doch jene Wolke blühte nur Minuten
Und als ich aufsah, schwand sie schon im Wind.

§

Un giorno di settembre, il mese azzurro,
tranquillo sotto un giovane susino
io tenni l’amor mio pallido e quieto
tra le mie braccia come un dolce sogno.
E su di noi nel bel cielo d’estate
c’era una nube ch’io mirai a lungo:
bianchissima nell’alto si perdeva
e quando riguardai era sparita.
E da quel giorno molte molte lune
trascorsero nuotando per il cielo.
Forse i susini ormai sono abbattuti:
Tu chiedi che ne è di quell’amore?
Questo ti dico: più non lo ricordo.
E pure certo, so cosa intendi.
Pure il suo volto più non lo rammento,
questo rammento: l’ho baciato un giorno.
Ed anche il bacio avrei dimenticato
senza la nube apparsa su nel cielo.
Questa ricordo e non potrò scordare:
era molto bianca e veniva giù dall’alto.
Forse i susini fioriscono ancora
e quella donna ha forse sette figli,
ma quella nuvola fiorì solo un istante
e quando riguardai sparì nel vento.
.
BERTOLT BRECHT
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Published in: on luglio 11, 2017 at 06:56  Lascia un commento  

Quello che in te era altura

WAS AN DIE BERG WAR

Was an dir Berg war
Haben sie geschleift
Und dein Tal
Schüttete man zu
Über dich führt
Ein Bequemer Weg.

§

Quello che in te era altura
lo hanno spianato
e la tua valle
L’hanno interrata.
Sopra di te passa
una strada comoda.

BERTOLT BRECHT

Published in: on gennaio 6, 2016 at 07:46  Comments (2)  

Da leggere il mattino e la sera

MORGENS UND ABENDS ZU LESEN

Der, den ich liebe
hat mir gesagt
Daß er mich braucht.

Darum
Gebe ich auf mich acht
sehe auf meinen Weg und
Fürchte von jedem Regentropfen
Daß er mich erschlagen Könnte

§

Colui che amo
mi ha detto
che ha bisogno di me

Per questo
ho cura di me stesso
guardo dove cammino e
temo che ogni goccia di pioggia
mi possa uccidere

BERTOLT BRECHT

Published in: on settembre 18, 2015 at 06:56  Comments (4)  

Tra tutte le opere

VON ALLEN WERKEN

Von allen Werken, die liebsten
Sind mir die gebrauchten.
Die Kupfergefäße mit den Beulen und den abgeplatteten Rändern
Die Messer und Gabeln, deren Holzgriffe
Abgegriffen sind von vielen Händen: solche Formen
Schienen mir die edelsten. So auch die Steinfliesen um alte Häuser
Welche niedergetreten sind von vielen Füßen, abgeschliffen
Und zwischen denen Grasbüschel wachsen, das
Sind glückliche Werke.

Eingegangen in den Gebrauch der vielen
Oftmals verändert, verbessern sie ihre Gestalt und werden Köstlich
Weil oftmals gekostet.
Selbst die Bruchstücke von Plastiken
Mit ihren abgehauenen Händen liebe ich. Auch sie
Lebten mir. Wenn auch fallen gelassen, wurden sie doch getragen.
Wenn auch überrannt, standen sie doch nicht zu hoch.
Die halbzerfallenen Bauwerke
Haben wieder das Aussehen von noch nicht vollendeten
Groß geplanten: ihre schönen Maße
Sind schon zu ahnen; sie bedürfen aber
Noch unseres Verständnisses. Anderseits
Haben sie schon gedient, ja, sind schon überwunden. Dies alles
Beglückt mich.

§

Tra tutte le opere
io prediligo quelle usate.
I bacili di rame ammaccati, appiattiti sugli orli,
le forchette e i coltelli dai manici di legno
che molte mani hanno logorato : queste mi parvero
le più nobili forme. Così anche i selci
che circondano le vecchie case,
smussati dai molti piedi che li calpestarono,
coi ciuffi d’erba che vi crescono in mezzo : queste
sono felici opere.

Entrate nell’uso molteplice, sovente variando aspetto,
migliorano la loro guisa, si fanno pregevoli
perchè sovente saggiate.
Persino i frammenti di sculture
con le loro mani mozze m’incantano. Per me
vissero anch’essi. Furono portati anche se poi lasciati cadere.
Anche se travolti stettero pure a non grande altezza.
Gli edifici mezzo diroccati
riprendono l’aspetto di maestosi disegni
ancora incompiuti : le loro belle misure
sono già intuibili; è necessario però
il nostro intendimento. Eppure
hanno già servito, sono anzi già sorpassati. Il sentirlo
mi rende felice.

BERTOLT BRECHT

Published in: on maggio 8, 2015 at 07:41  Comments (4)  

Sesto sonetto

SECHSTES SONETT

Als ich vor jahr und tag mich an dich hing
war ich darauf nicht allzu sehr erpicht;
wenn mann nicht wünscht, vermißt man vielleicht nicht
gab’s wenig lust, ist auch der gram gering.

und besser ist: kein gram als; viele lust
und besser als verlieren; sich bescheiden.
der männer wollust ist es: nicht zu leiden.
gekonnt ist gut, doch allzu schlimm; gemußt.

natürlich ist das eine schäbige lehre
der war nie reich, der niemals was verlor!
ich sag auch nicht, dass ich verdrießlich wäre….

ich meine nur; wenn einer an nichts hinge
dem stünd auch keine schlimme zeit bevor.
indessen sind wir nicht die herrn der dinge.

§

Quando,un tempo, ti ero affezionato
non è poi che il mio amore fosse smania:
se non si desidera, forse, non si sente la mancanza
Se la gioia è poca, anche il dolore è scarso.

Meglio che: molta gioia è: nessun cruccio,
meglio che perdere è: l’essere paghi.
La voluttà degli uomini è: non soffrire mai.
L’aver potuto è bene, pessimo: l’aver dovuto.

Naturalmente questo è un precetto meschino.
Non è mai stato ricco, chi non ha perso mai niente!
Io non dico neppure, che sarei stizzito…

Intendo solo questo: se uno non ha nessun amore
non ha neanche un’epoca grama che lo attende.
Tuttavia noi non siamo i padroni delle cose.

BERTOLT BRECHT

Published in: on novembre 3, 2013 at 07:35  Comments (2)  

Mio fratello era aviatore

MEIN BRUDER WAR EIN FLIEGER

Mein Bruder war ein Flieger
Eines Tages bekam er eine Kart
Er hat seine Kiste eingepackt
Und südwärts ging die Fahrt.
Mein Bruder ist ein Eroberer
Unserm Volke fehlt’s an Raum
Und Grund und Boden zu kriegen ist
Bei uns ein alter Traum.
Der Raum, den mein Bruder eroberte
Liegt im Quadaramamassiv
Er ist lang einen Meter achtzig
Und einen Meter fünfzig tief.

§

Mio fratello era aviatore.
Un giorno gli diedero una carta,
e fece i bagagli, con rotta verso Sud.
Mio fratello è un conquistatore.
Al nostro popolo serve spazio,
è un nostro antico sogno
avere terre.
Lo spazio mio fratello l’ha conquistato
nel massiccio del Guadarrama.
È lungo un metro e ottanta,
profondo un metro e cinquanta.

BERTOLT BRECHT

Published in: on agosto 28, 2013 at 07:35  Comments (3)  

Lode del comunismo

LOB DES KOMMUNISMUS

Er ist vernünftig, jeder versteht ihn. Er ist leicht.
Du bist doch kein Ausbeuter, du kannst ihn begreifen.
Er ist gut für dich, erkundige dich nach ihm.

Die Dummköpfe nennen ihn dumm, und die Schmutzigen nennen ihn schmutzig.
Er ist gegen den Schmutz und gegen die Dummheit.

Die Ausbeuter nennen ihn ein Verbrechen,
Aber wir wissen:
Er ist das Ende der Verbrechen.
Er ist keine Tollheit, sondern
Das Ende der Tollheit.
Er ist nicht das Rätsel,
Sondern die Lösung.
Er ist das Einfache,
Das schwer zu machen ist.

§

È ragionevole chiunque lo capisce. È facile.
Non sei uno sfruttatore, lo puoi intendere.
Va bene per te, informatene.

Gli idioti lo chiamano idiota e, i sudici, sudicio.
È contro il sudiciume e contro l’idiozia.

Gli sfruttatori lo chiamano delitto.
Ma noi sappiamo:
è la fine dei delitti.
Non è una follia, ma
invece fine della follia.
Non è il caos,
ma l’ordine, invece.
È la semplicità
che è difficile a farsi.

BERTOLT BRECHT

Published in: on luglio 13, 2013 at 07:03  Comments (2)  

Sulle città

ÜBER DIE STÄDTE

Unter ihnen sind Gossen,
In ihnen ist nichts, und über ihnen ist Rauch.
Wir waren drinnen. Wir haben nichts genossen.
Wir vergingen rasch. Und langsam vergehen sie auch.

§

Sotto di loro ci sono le fogne; in loro
non c’è nulla e sopra di loro il fumo.
Noi eravamo dentro. Non abbiamo goduto niente.
Noi passiamo in fretta. E, lentamente, passano anche loro.

BERTOLT BRECHT

Published in: on maggio 23, 2012 at 07:38  Comments (2)  
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Generale il tuo carro armato

GENERAL DEIN TANK

General, dein Tank ist ein starker Wagen
Er bricht einen Wald nieder und zermalmt hundert Menschen.
Aber er hat einen Fehler:
Er braucht einen Fahrer.
General, dein Bomberflugzeug ist stark.
Es fliegt schneller als ein Sturm und trägt mehr als ein Elefant.
Aber es hat einen Fehler:
Es braucht einen Monteur.
General, der Mensch ist sehr brauchbar.
Er kann fliegen und er kann töten.
Aber er hat einen Fehler:
Er kann denken.

§

Generale, il tuo carro armato è una macchina potente
Spiana un bosco e sfracella cento uomini.
Ma ha un difetto:
Ha bisogno di un carrista.
Generale, il tuo bombardiere è potente.
Vola più rapido d’una tempesta e porta più di un elefante.
Ma ha un difetto:
Ha bisogno di un meccanico.
Generale, l’uomo fa di tutto.
Può volare e può uccidere.
Ma ha un difetto:
Può pensare.

BERTOLT BRECHT

Non ti ho mai amata tanto

ICH HABE DICH NIE JE SO GELIEBT

Ich habe dich nie je so geliebt, ma soeur
Als wie ich fortging von dir in jenem Abendrot.
Der Wald schluckte mich, der blaue Wald, ma soeur
Über dem immer schon die bleichen Gestirne im Westen standen.
Ich lachte kein klein wenig, gar nicht, ma soeur
Der ich spielend dunklem Schicksal entgegenging
Während schon die Gesichter hinter mir
Langsam im Abend des blauen Walds verblaßten.
Alles war schön an diesem einzigen Abend, ma soeur
– Nachher nie wieder und nie zuvor –
Freilich: mir blieben nur mehr die großen Vögel
Die abends im dunklen Himmel Hunger haben.

 §

Non ti ho mai amata tanto, ma soeur,

come quando ti ho lasciata in quel tramonto.

Il bosco m’ inghiottì, il bosco azzurro, ma soeur,

sopra stavano sempre le pallide costellazioni dell’Occidente.

Non risi neppure un poco, per niente, ma soeur,

-io che per gioco andavo incontro ad un oscuro destino-

mentre i volti dietro di me lentamente

sbiadivano nella sera del bosco azzurro.

Tutto era bello in questa sera unica, ma soeur,

-non fu mai più così dopo nè prima-

certo: ora mi restavano solo i grandi uccelli

che a sera, nel cielo oscuro, hanno fame.

BERTOLT BRECHT

Published in: on novembre 18, 2011 at 07:02  Comments (4)  
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