Presenza

GEGENWART

Alles kündet dich an!
Erscheinet die herrliche Sonne,
Folgst du, so hoff ich es, bald.

Trittst du im Garten hervor,
So bist du die Rose der Rosen,
Lilie der Lilien zugleich.

Wenn du im Tanze dich regst,
So regen sich alle Gestirne
Mit dir und um dich umher.

Nacht! und so wär es denn Nacht!
Nun überscheinst du des Mondes
Lieblichen, ladenden Glanz.

Ladend und lieblich bist du,
Und Blumen, Mond und Gestirne
Huldigen, Sonne, nur dir.

Sonne! so sei du auch mir
Die Schöpferin herrlicher Tage;
Leben und Ewigkeit ists.

§

Tutto è annuncio di te!
Appare il sole radioso, e tu dietro a lui, spero.
Esci fuori in giardino e sei rosa fra le rose,
e sei giglio fra i gigli.
Quando nel ballo ti muovi si muovono le stelle,
insieme e intorno a te.
Notte! E così sarebbe notte!
Tu superi lo splendore soave e seducente della luna.
Seducente e soave sei tu, e fiori,
luna e stelle a te s’inchinano, o sole!
Sole, sii anche per me artefice di giorni radiosi!
Questa è vita, è eternità.

JOHANN WOLFGANG VON GOETHE

Published in: on dicembre 2, 2015 at 07:15  Lascia un commento  

Annette al suo amato

ANNETTE AN IHREN GELIEBTEN

Ich sah, wie Doris bei Damöten stand,
er nahm sie zärtlich bei der Hand.
Mit starrem Blick sahn sie einander an,
Und sahn sich um, ob nicht die Eltern wachen;
Und da sie niemand sahn,
Geschwind – jedoch genug –
sie machtens, wie wirs machen.

§

Ho visto Doride accanto a Damota,
Lui le prese teneramente la mano.
Si guardarono fissi negli occhi, poi
guardarono in giro, che non vegliassero genitori;
e poiché non videro nessuno,
svelti – ma bene –
fecero come facciamo noi.

JOHANN WOLFGANG VON GOETHE

Published in: on dicembre 5, 2014 at 07:35  Comments (3)  

Da dove siamo nati?

WOHER SID WIR GEBOREN?

Woher sind wir geboren?
Aus Lieb.
Wie wären wir verloren?
Ohn Lieb.
Was hilft uns überwinden?
Die Lieb.
Kann man auch Liebe finden?
Durch Lieb.
Was läßt nicht lange weinen?
Die Lieb.
Was soll uns stets vereinen?
Die Lieb.

§

Da dove siamo nati?
Dall’amore.
Come saremmo perduti?
Senza amore.
Cosa ci aiuta a superarci?
L’amore.
Si può trovare anche l’amore?
Con amore.
Cosa abbrevia il pianto?
L’amore.
Cosa deve unirci sempre?
L’amore.

JOHANN WOLFGANG VON GOETHE

Published in: on ottobre 18, 2014 at 07:16  Comments (3)  

Mentre andavo

IM VORÜBERGEHN

Ich ging im Felde
So für mich hin,
Und nichts zu suchen,
Das war mein Sinn.

Da stand ein Blümchen
Sogleich so nah,
dass ich im Leben
Nichts lieber sah.

Ich wollt es brechen,
da sagt es schleunig:
Ich habe Wurzeln,
Die sind gar heimlich.

Im tiefen Boden
bin ich gegründet;
Drum sind die Blüten
So schön geründet.

Ich kann nicht liebeln,
Ich kann nicht schranzen;
musst mich nicht brechen,
musst mich verpflanzen.

§

Andavo per i campi
così, per conto mio,
e non cercare niente
era quello che volevo.

E lì c’era un fiorellino,
subito lì, vicino,
che nella vita mai
ne vidi uno più bello.

Volevo coglierlo,
ma il fiore mi disse:
possiedo radici,
e sono ben nascoste.

Giù nel profondo
sono interrato;
per questo i miei fiori
son belli tondi.

Non so amoreggiare,
non so adulare;
non cogliermi devi,
ma trapiantare.

JOHANN WOLFGANG VON GOETHE

Published in: on aprile 5, 2014 at 07:47  Comments (4)  

Canto degli spiriti sulle acque

GESANG DER GEISTER ÜBER DEN WASSERN

Des Menschen Seele
Gleicht dem Wasser:
Vom Himmel kommt es,
Zum Himmel steigt es,
Und wieder nieder
Zur Erde muß es,
Ewig wechselnd
Strömt von der hohen
Steilen Felswand
Der reine Strahl
Dann stäubt er lieblich
In Wolkenwellen
Zum glatten Fels,
Und leicht empfangen
Wallt er verschleiernd
Leiserauschend
Zur Tiefe nieder.
Ragen Klippen
Dem Sturz’ entgegen
Schäumt er unmutig
Stufenweise
Zum Abgrund
Im flachen Bette
Schleicht er das Wiesental hin
Und in dem glatten See
Weiden ihr Antlitz
Alle Gestirne
Wind ist der Welle
Lieblicher Buhler;
Wind mischt vom Grund aus
Schäumende Wogen.
Seele des Menschen
Wie gleichst du dem Wasser!
Schicksal des Menschen,
Wie gleichst du dem Wind!

§

L’anima dell’uomo
somiglia l’acqua:
viene dal cielo,
risale al cielo

e ancora alla terra
deve tornare,
vicenda eterna.
Diroccia dall’alta
parete rupestre
la pura sorgente
per poi frantumarsi leggiadra
in nubi flottanti
sul levigato masso
che benigno l’accoglie,
fluttua in un velo,
mormora lieve
giù nel profondo.
Contrastano rupi
il flutto precipite,
spumeggia irosa
a grado a grado
verso l’abisso.
Disteso il suo corso
scorre lenta per la valle erbosa,
e nello specchio del lago
tutte le stelle
bagnano il volto.
Vento è dell’onda
tenero amante;
vento sommuove
gorghi spumanti.
Anima dell’uomo
come somigli l’acqua!
Destino umano,
come somigli il vento!
.
JOHANN WOLFGANG VON GOETHE
Published in: on gennaio 27, 2014 at 07:45  Comments (3)  

Io penso a te

ICH DENKE DEIN

Ich denke dein,
wenn mir der Sonne schimmer
Vom Meere strahlt;

Ich denke dein,
wenn sich des Mondes Flimmer
In Quellen malt.

Ich sehe dich,
wenn auf dem fernen Wege

Der Staub sich hebt,
In tiefer Nacht,
wenn auf dem schmalen Stege

Der Wandrer bebt.

Ich höre dich,
wenn dort mit dumpfem Rauschen

Die Welle steigt.

Im stillen Haine geh’ ich oft zu lauschen,

Wenn alles schweigt.

Ich bin bei dir,
du seist auch noch so ferne,

Du bist mir nah!
Die Sonne sinkt,
bald leuchten mir die Sterne.

O wärst du da!

§

Io penso a te quando dal seno del mare
il sole sorge e i suoi raggi dardeggia;
io penso a te quando al chiarore lunare
l’onda serena biancheggia.

Io penso a te quando sale la polvere
lungo il lontano sentiero,
e nella notte oscura, quando al passeggero
sul ponte il cuore balza di paura.

Quando l’onda s’innalza con sordo bisbiglio
posso ascoltare allora la tua voce;
o nel bosco tranquillo, dove spesso origlio,
e ogni cosa è silente in quella luce.

Io ti sono vicino e tu mi sei vicina,
pur sapendo che sei così remota.
Mentre il sole tramonta e sorgono le stelle.
Oh tu fossi con me, più bella fra le belle!

JOHANN WOLFGANG VON GOETHE

Ludwig van Beethoven – Sonata per pianoforte n.2 op.27

Published in: on luglio 16, 2013 at 07:03  Comments (1)  

Mi batteva il cuore; svelto, a cavallo!

ES SCHLUG MEIN HERZ; GESCHWIND ZU PFERDE!

Es schlug mein Herz; geschwind zu Pferde!
Und fort! wild, wie ein Held zur Schlacht.
Der Abend wiegte schon die Erde,
Und an den Bergen hing die Nacht;
Schon stund im Nebelkleid die Eiche
Wie ein getürmter Riese da,
Wo Finsternis aus dem Gesträuche
Mit hundert schwarzen Augen sah.

Der Mond von einem Wolkenhügel
Sah schläfrig aus dem Duft hervor;
Die Winde schwangen leise Flügel,
Umsausten schauerlich mein Ohr;
Die Nacht schuf tausend Ungeheuer;
Doch tausendfacher war mein Mut;
Mein Geist war ein verzehrend Feuer,
Mein ganzes Herz zerfloß in Glut.

Ich sah dich, und die milde Freude
Floß aus dem süßen Blick auf mich.
Ganz war mein Herz an deiner Seite,
Und jeder Atemzug für dich.
Ein rosafarbes Frühlingswetter
Lag auf dem lieblichen Gesicht,
Und Zärtlichkeit für mich, ihr Götter!
Ich hofft es, ich verdient es nicht.

Der Abschied, wie bedrängt, wie trübe!
Aus deinen Blicken sprach dein Herz.
In deinen Küssen welche Liebe,
O welche Wonne, welcher Schmerz!
Du gingst, ich stund und sah zur Erden,
Und sah dir nach mit nassem Blick;
Und doch, welch Glück! geliebt zu werden,
Und lieben, Götter, welch ein Glück!

§

Mi batteva il cuore; svelto, a cavallo!
E via! Con l’impeto dell’eroe in battaglia.
La sera cullava già la terra,
e sui monti si posava la notte;
se ne stava vestita di nebbia la quercia,
gigantesca guardiana, là
dove la tenebre dai cespugli
con cento occhi neri guardava.

Da un cumulo di nubi la luna
sbucava assonnata tra le nebbie;
i venti agitavano le ali sommesse,
sibilavano orridi al mio orecchio;
la notte generava migliaia di mostri,
ma io mille volte più coraggio avevo;
il mio spirito era un fuoco ardente,
il mio cuore intero una brace.

Ti vidi, e una mite gioia
passò dal tuo dolce sguardo su di me;
fu tutto per te il mio cuore,
fu tuo ogni mio respiro.
Una rosea primavera
colorava l’adorabile volto,
e tenerezza per me, o numi,
m’attendevo, ma meriti non avevo.

L’addio, invece, mesto e penoso.
Dai tuoi occhi parlava il cuore;
nei tuoi baci quanto amore,
oh che delizia, e che dolore!
Partisti, e io restai, guardando a terra,
guardando te che andavi, con umido sguardo;
eppure, che gioia essere amati,
e amare, o numi, che gioia!

JOHANN WOLFGANG VON GOETHE

Prima perdita

ERSTER VERLUST

Ach, wer bringt die schönen Tage,
Jene Tage der ersten Liebe,
Ach, wer bringt nur eine Stunde
Jener holden Zeit zurück!
Einsam nähr ich meine Wunde
Und mit stets erneuter Klage
Traur’ ich ums verlorne Glück.
Ach, wer bringt die schönen Tage,
Jene holde Zeit zurück!

§

Ah, quei bei giorni chi mi renderà,
giorni del primo amore?
Ah, solo un’ora chi mi renderà
di quel tempo beato?
La mia ferita nutro abbandonato,
e sempre rinverdisco il mio dolore
per la perduta mia felicità.
Ah, quei bei giorni chi mi renderà
e quel tempo beato?

JOHANN WOLFGANG VON GOETHE

Published in: on marzo 16, 2012 at 07:11  Comments (3)  

Cara Lili

HOLDE LILI, WARST SO LANG

Holde Lili, warst so lang
All mein Lust und all mein Sang;
Bist, ach, nun mein Schmerz, und doch
All mein Sang bist du noch.

§

Cara Lili, sei stata a lungo
tutta la gioia, tutto il mio canto;
adesso, ahimè, sei tutto il mio dolore, eppure
sei tutto il mio canto ancora.

JOHANN WOLFGANG VON GOETHE

Published in: on gennaio 3, 2011 at 07:24  Comments (3)  
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Cupido, monello testardo

CUPIDO, LOSER, EIGENWILLIGER KNABE

Cupido, loser, eigenwilliger Knabe!

Du batst mich um Quartier auf einige Stunden.

Wie viele Tag’ und Nächte bist du geblieben!

Und bist nun herrisch und Meister im Hause geworden!

Von meinem breiten Lager bin ich vertrieben;

Nun sitz ich an der Erde, Nächte gequälet;

Dein Mutwill schüret Flamm auf Flamme des Herdes,

Verbrennet den Vorrat des Winters

und senget mich Armen.

Du hast mir mein Geräte verstellt und verschoben;

Ich such und bin wie blind und irre geworden.

Du lärmst so ungeschickt; ich fürchte das Seelchen

Entflieht, um dir zu entfliehn, und räumet die Hütte.

§

Cupido, monello testardo!
M’hai chiesto un riparo per poche ore,
e quanti giorni e notti sei rimasto!
Adesso il padrone in casa mia sei tu!

Sono scacciato dal mio ampio letto;
sto per terra, e di notte mi tormento;
il tuo capriccio attizza fiamma su fiamma nel fuoco,
brucia le scorte d’inverno
e arde me misero.

Hai spostato e scompigliato gli oggetti miei,
io cerco, e sono come cieco e smarrito.
Strepiti senza ritegno, e io temo che l’anima
fugga via per sfuggire te, e abbandoni questa capanna.

JOHANN WOLFGANG VON GOETHE