Gatto nero

SCHWARZE KATZE

Ein Gespenst ist noch wie eine Stelle,
dran dein Blick mit einem Klange stößt;
aber da, an diesem schwarzen Felle
wird dein stärkstes Schauen aufgelöst:

wie ein Tobender, wenn er in vollster
Raserei ins Schwarze stampft,
jählings am benehmenden Gepolster
einer Zelle aufhört und verdampft.

Alle Blicke, die sie jemals trafen,
scheint sie also an sich zu verhehlen,
um darüber drohend und verdrossen
zuzuschauern und damit zu schlafen.
Doch auf einmal kehrt sie, wie geweckt,
ihr Gesicht und mitten in das deine:
und da triffst du deinen Blick im geelen
Amber ihrer runden Augensteine
unerwartet wieder: eingeschlossen
wie ein ausgestorbenes Insekt.

§

Anche il fantasma evanescente, è corpo.
Sol che lo imbatti con lo sguardo, suona.
Questo negro viluppo ottunde invece
il duro acume delle tue pupille,
come ovattata cella – se richiusa
spezza veloce, e sorda lo dissolve,
il furibondo grido di un demente.

Tutti gli sguardi onde sostenne l’urto
sembran celati in lui; ch’ei li rinserri,
per sovra abbrividirvi ostile e pigro
e sonnecchiar con essi il lungo giorno.

Ma se repente si desta e ti volge
in pieno volto il muso e in te lo affigge,
ritrovi allora il lampo dei tuo sguardo
nelle tonde pupille – inopinato –
chiuso in quell’ambra come spento insetto.

RAINER MARIA RILKE

Published in: on settembre 27, 2019 at 07:37  Lascia un commento  

Sogno

TRAUM

Ich denke an:
Ein Dörfchen schlicht in des Friedens Prangen,
drin Hahngekräh;
und dieses Dörfchen verloren gegangen
im Blütenschnee.
Und drin im Dörfchen mit Sonntagsmienen
ein kleines Haus;
ein Blondkopf nickt aus den Tüllgardinen
verstohlen heraus.
Rasch auf die Türe, die angelheiser
um Hilfe ruft, –
und dann in der Stube ein leiser, leiser
Lavendelduft …

§

lo penso: e vedo (o sogno)

un piccolo villaggio, una gran pace:

dentro, un cantar di galli.

E il piccolo villaggio si smarrisce

in un fiaccar di neve.

Entro il villaggio in abito da festa

una casetta bianca.

Furtiva accenna una testina bionda

tra le cortine mosse.

Schiudo la porta; e i cardini, stridendo,

chIedono fiochi aiuto.

Poi, nella stanza, un timido e sommesso

profumo di lavanda.

 

RAINER MARIA RILKE

Published in: on settembre 18, 2018 at 07:33  Comments (1)  

L’innamorata

DIE LIEBENDE

 

Das ist mein Fenster. Eben

bin ich so sanft erwacht.

Ich dachte, ich würde schweben.

Bis wohin reicht mein Leben,

und wo beginnt die Nacht?

Ich könnte meinen, alles

wäre noch Ich ringsum;

durchsichtig wie eines Kristalles

Tiefe, verdunkelt, stumm.

Ich könnte auch noch die Sterne

fassen in mir; so groß

scheint mir mein Herz; so gerne

ließ es ihn wieder los

den ich vielleicht zu lieben,

vielleicht zu halten begann.

Fremd, wie niebeschrieben

sieht mich mein Schicksal an.

Was bin ich unter diese

Unendlichkeit gelegt,

duftend wie eine Wiese,

hin und her bewegt,

rufend zugleich und bange,

daß einer den Ruf vernimmt,

und zum Untergange

in einem Andern bestimmt.

§

Potrei pensare che tutto
attorno a me sia ancora io
trasparente come il fondo
di un cristallo, offuscata, muta.

E riuscirei ad abbracciare anche
le stelle; tanto vasto mi appare
il cuore e così intenso il desiderio
di lasciar volare via

colui che forse cominciai ad amare,
forse a stringere il mio petto.
Estraneo come volto mai descritto
mi guarda il mio destino.

Cosa sono io? posta sotto il cielo
di questa infinità,
odorosa come un prato,
sospinta senza tregua,

tra la supplica e il timore
che qualcuno oda il mio richiamo
e destinata ad eclissarmi
dentro un altro.

RAINER MARIA RILKE

Published in: on Mag 11, 2018 at 07:38  Comments (1)  

Sonetti a Orfeo I,I

Da stieg ein Baum. O reine Übersteigung!
O Orpheus singt! O hoher Baum im Ohr.
Und alles schwieg. Doch selbst in der verschweigung
ging neuer Anfang, Wink und Wandlung vor.

Tiere aus Stille drangen aus dem klaren
gelösten wald von Lager und Genist;
und da ergab sich, daß sie nicht aus List
und nicht aus Angst in sich so leise waren,

sondern aus Hören. Brüllen, Schrei, Geröhr
schien klein in ihren Herzen. Und wo eben
kaum eine Hütte war, dies zu empfangen,

ein Unterschlupf aus dunkelstem Verlangen
mit einem Zugang, dessen Pfosten beben, –
da schufst du ihnen Tempel im Gehör.

§

Un albero si leva – o puro sovrastare!

Come canta Orfeo! – e il grande albero è in ascolto!

E tutto fu silenzio. Ma proprio in quel tacere

avvenne un nuovo inizio, cenno, mutamento.

Irruppero animali dalla quiete, dal chiaro

bosco liberato, da tane e nascondigli

e fu palese: non per astuzia o per timore

erano in sé così raccolti, ma – per l’ascolto.

Ruggito, grido, bramito, allora

parve ben poca cosa ai loro cuori.

E nell’orecchio – che era appena una spelonca,

un anfratto del più oscuro desiderio

con l’entrata dalla porta scardinata –

tu creasti per loro un santuario.

 

RAINER MARIA RILKE

Published in: on febbraio 19, 2017 at 07:38  Lascia un commento  

Canto d’amore

LIEBES LIED

Wie soll ich meine Seele halten, daß
sie nicht an deine rührt? Wie soll ich sie
hinheben über dich zu andern Dingen?
Ach gerne möcht ich sie bei irgendwas
Verlorenem im Dunkel unterbringen
an einer fremden stillen Stelle, die
nicht weiterschwingt,wenn deine Tiefen schwingen.
Doch alles, was uns anrührt, dich und mich,
nimmt uns zusammen wie ein Bogenstrich,
der aus zwei Saiten eine Stimme zieht.
Auf welches Instrument sind wir gespannt?
Und welcher Spieler hat uns in der Hand?
O süßes Lied.

§

E come tratterrò l’anima mia,
perché la tua non sfiori?
Come la leverò verso altre sfere,
dove tu piú non sia?

Oh, celarla vorrei presso qualcosa
che si smarrisse in buia solitudine,
in un angolo ignoto e silenzioso
che non vibrasse piú quando rivibrano
gli abissi tuoi!…

Ma tutto ciò che appena ne disfiora,
ci prende insieme al pari dell’archetto
che da due corde trae solo una voce.

Su qual strumento, ahimè, siamo noi tesi?
E chi lo regge e suona?… Oh melodia!

RAINER MARIA RILKE

Published in: on settembre 29, 2016 at 07:34  Comments (2)  

Presentimento

VORGEFÜHL

Ich bin wie eine Fahne von Fernen umgeben.
Ich ahne die Winde, die kommen, und muß sie Leben,
während die Dingen unten sich noch nicht rühren:
Die Türen schliessen noch snaft, und in den Kaminen is Stille;
die Fenster zittern noch nicht, und der Staub ist noch schwer.

Da weiss ich die Stürme schon und bin erregt wie das Meer.
Und breite mich aus und falle in mich hinein
und werfe mich ab und bin ganz allein
in dem großen Sturm.

§

Io sono come una bandiera, circondato da vasto spazio aperto.

Sento i prossimi venti e devo vivere attraverso di loro,

Mentre tutte le altre cose tra di loro ancora non si muovono:

Le porte si chiudono in silenzio, e nei camini è il silenzio;

Le finestre non tremano ancora, e la polvere è ancora pesante e scura.

Conosco già le tempeste, e sono irrequieto come il mare.

Mi rotolo tra le onde e mi ripiego su me stesso e mi getto fuori

E sono completamente solo nell’immensa tempesta.

 

RAINER MARIA RILKE

Published in: on dicembre 4, 2015 at 07:07  Lascia un commento  

La giostra Jardin du Luxembourg

DAS KARUSSELL – JARDIN DU LUXEMBOURG

Mit einem Dach und seinem Schatten dreht
sich eine kleine Weile der Bestand
von bunten Pferden, alle aus dem Land,
das lange zögert, eh es untergeht.
Zwar manche sind an Wagen angespannt,
doch alle haben Mut in ihren Mienen;
ein böser roter Löwe geht mit ihnen
und dann und wann ein weißer Elefant.

Sogar ein Hirsch ist da, ganz wie im Wald,
nur daß er einen Sattel trägt und drüber
ein kleines blaues Mädchen aufgeschnallt.

Und auf dem Löwen reitet weiß ein Junge
und hält sich mit der kleinen heißen Hand,
dieweil der Löwe Zähne zeigt und Zunge.

Und dann und wann ein weißer Elefant.

Und auf den Pferden kommen sie vorüber,
auch Mädchen, helle, diesem Pferdesprunge
fast schon entwachsen; mitten in dem Schwunge
schauen sie auf, irgendwohin, herüber –

Und dann und wann ein weißer Elefant.

Und das geht hin und eilt sich, daß es endet,
und kreist und dreht sich nur und hat kein Ziel.
Ein Rot, ein Grün, ein Grau vorbeigesendet,
ein kleines kaum begonnenes Profil -.
Und manchesmal ein Lächeln, hergewendet,
ein seliges, das blendet und verschwendet
an dieses atemlose blinde Spiel…

§

Con un tetto e con la sua ombra gira
per breve ora la giostra dei cavalli
multicolori, tutti del paese
che lungamente tarda a tramontare.
Molti sono attaccati alle carrozze,
eppure tutti hanno un cipiglio fiero,
e un feroce leone, tinto in rosso, va con loro,
e a quando a quando un elefante bianco.

Perfino un cervo c’è, come nel bosco,
ma porta sella e, fissa alla sua sella,
una minuscola bambina azzurra.

E cavalca il leone un bimbo bianco
tenendosi ben fermo con la mano che scotta,
mentre il leone scopre lingua e zanne.

E a quando a quando un elefante bianco.

E passano su cavalli anche fanciulle
in vesti chiare, quasi troppo grandi
per questi giochi e nella corsa alzano
lo sguardo in su, verso noi, chi sa dove-

E a quando a quando un elefante bianco.

E il tutto va e s’affretta alla sua fine,
e gira e gira in cerchio e non ha meta.
Un rosso, un verde, un grigio che balena,
un breve, appena abbozzato profilo-.
E ogni tanto rivolto in qua, beato,
un sorriso che abbaglia e che si dona
al cieco gioco che ci toglie il fiato…

RAINER MARIA RILKE

Published in: on febbraio 24, 2015 at 07:35  Comments (4)  

Sera d’estate

 

SOMMERABEND

Die große Sonne ist versprüht,
der Sommerabend liegt im Fieber,
und seine heiße Wange glüht.
Jach seufzt er auf: “Ich möchte lieber …”

Und wieder dann: “Ich bin so müd …”

Die Büsche beten Litanein,
Glühwürmchen hangt, das regungslose,
dort wie ein ewiges Licht hinein;
und eine kleine weiße Rose

trägt einen roten Heiligenschein.

§

S’è sciolto in spruzzaglia il gran sole.
La sera d’estate, divampa;
riarde di febbre nel volto.
Sospira di schianto: « Vorrei…. »;
ma quindi ripete – « Son stanca… »

Sussurran preghiere i cespugli.
Nel folto, una lucciola splende
(eterna fiammella) a mezz’aria.

Recinge ogni candida rosa,
vermiglia raggiera – il tramonto. 

RAINER MARIA RILKE

Published in: on novembre 8, 2014 at 07:01  Comments (3)  

Il poeta

DER DICHTER

Du entfernst dich von mir, du Stunde.

Wunden schlägt mir dein Flügelschlag.

Allein: was soll ich mit meinem Munde?

mit meiner Nacht? mit meinem Tag?

 

Ich habe keine Geliebte, kein Haus,

keine Stelle auf der ich lebe

Alle Dinge, an die ich mich gebe,

werden reich und geben mich aus.

 

§

 

Ora che batti, da me t’allontani.

Apri in me piaghe con la tua ala.

Ma che farò io di questa mia bocca?

O del mio giorno? della mia notte?

 

Io non ho amata, non ho dimora,

non ho, per vivere, un luogo certo.

E ogni cosa a cui mi dono

diventa ricca e mi spende.

RAINER MARIA RILKE

Published in: on agosto 17, 2014 at 07:14  Comments (1)  

Il cigno

DER SCHWAN

Diese Mühsal, durch noch Ungetanes
schwer und wie gebunden hinzugehn,
gleicht dem ungeschaffnen Gang des Schwanes.

Und das Streben, dieses Nichtmehrfassen
jenes Grunds, auf dem wir täglich stehn,
seinem ängstlichen Sich-Niederlassen -:

in die Wasser, die ihn sanft empfangen
und die sich, wie glücklich und vergangen,
unter ihm zurückziehn, Flut um Flut;
während er unendlich still und sicher
immer mündiger und königlicher
und gelassener zu ziehn geruht.

§

L’aspra fatica d’avanzare a stento,

come stretti da ceppi,

entro la vita in divenire

– somiglia all’informe muover del cigno

a nuoto in su l’avvìo: e l’agonia

– questo mancar del fondo

ove poggiamo quotidianamente –

al suo trepido scendere nell’acque

che l’accolgon benigne

e si ritraggono sotto di lui,

quasi mancando in giòlito,

mentre il cigno silente s’abbandona

securo sempre più, sempre più placido,

– e in sua regalità sui flutti incede.

RAINER MARIA RILKE

Published in: on giugno 28, 2014 at 07:10  Comments (2)